Review of Atlantis: The Lost Empire (2001) by Tatsuhito K — 30 Mar 2013
Die Filme der Disney Renaissance (ab The Little Mermaid" 1989 bis ca. 2000) zeichnen sich durch ihre Sidekicks aus. Am berühmtesten natürlich Timon und Pumbaa in The Lion King", und unzählige andere wie Abu aus Aladdin", Lumière aus Beauty and the Beast", Mushu aus Mulan" oder Pain und Panic aus Hercules".
Das Ende der Disney Renaissance ist irgendwo gegen Ende der 90er/Anfang der 2000er anzusiedeln, also ungefähr um die Zeit als Atlantis" ins Kino kam. Atlantis" verzichtete auf Musiknummern, verwendete Computerunterstützung bei der Animation, adoptierte einen vollkommen neuen Animationsstil - und floppte.
Aus meiner persönlichen Sicht, kann ich den Verzicht auf Songs nur begrüßen, die Kombination von 2D Zeichentrick und CGI-Animation war Anfang der 2000er ein notwendiges Übel des technischen Fortschritts, aber was Atlantis" wirklich schadete war der Verzicht auf nicht-humanoide Sidekicks.
Keine lustigen Waschbären, Kolibris, Krabben, Warzenschweine, Wasserspeier o.ä. begleiten Milo Thatch auf seiner abenteuerlichen Reise ins sagenumwobene Atlantis. Zwar ist die Riege der Nebencharaktere abwechslungsreich und es wird sogar einiges an Wert auf Charakterentwicklung gelegt, aber der einfache Comedic Relief durch (nicht-sprechende) Tiercharaktere ist nicht zu ersetzen.
Ich glaube, wir können alle übereinstimmen, dass es schlicht und einfach zu wenig Steampunk-Zeichentrickfilme gibt. Dahingehend ist Atlantis" eine echte Bereicherung für das Genre. Teile des Films sind von atemberaubender Schönheit (das Setting lädt zur Schaffung von beeindruckenden Bilderwelten ein) und die Erzählgeschwindigkeit ist durchwegs rasant.
Etwas zu rasant möchte man fast meinen. Der größte Fehler der Macher bei Disney war meines Erachtens, dass Atlantis" eine gänzlich originelle Geschichte ist, die nach einer klaren Struktur, und einigem an Erklärungsbedarf verlangt. Die Geschichte ist schlicht zu komplex, um einem Kinderpublikum in neunzig Minuten aufbereitet werden zu können, ohne deren Aufmerksamkeitsspanne zu strapazieren. Dass man sich das Leben selbst nicht leichter macht, indem man auf Sidekicks (siehe oben) verzichtet kommt noch erschwerend hinzu.
Im Gegensatz zu Märchen (von Snow White" bis The Little Mermaid"), Volksgeschichten (Pocahontas") oder populären Geschichten (Tarzan", The Hunchback of Notre Dame", Treasure Planet") steht Atlantis" auf eigenen Beinen. Zwar ist der Mythos um die untergangene Stadt weitgehend bekannt, der Film erschafft sich jedoch seine eigene Entstehungsgeschichte samt Mythologie und Technologie.
Diese Komplexität der Geschichte konnte in der narrativen Struktur eines Kinderfilms nicht mehr zufriedenstellend umgesetzt werden, und so wechseln sorgfältig aufgebaute Charaktere ohne jedes erkennbare Motiv die Seite, wichtige Plotpoints passieren einfach ohne jeglichen build-up, und ein ziemlich anti-klimaktischer Showdown.
Große Ambition, ein richtig geiler Genre- und Stilmix und eine tolle Abenteuergeschichte scheitern an ihrem eigenen Anspruch, der es dem Film unmöglich macht, seinem Zielpublikum zu entsprechen.
This review of Atlantis: The Lost Empire (2001) was written by Tatsuhito K on 30 Mar 2013.
Atlantis: The Lost Empire has generally received positive reviews.
Was this review helpful?
