Review of Paris, Texas (1984) by Rainer K — 25 Mar 2013
Auf dem Begleittext zur DVD von Paris, Texas", die ich mir ausgeliehen habe, wird die Farbdramaturgie des Films betont. Oft, übersehe ich solche Dinge leicht, doch im Fall von Paris, Texas", denke ich, wäre sogar mir das leuchtende Rot in einer Vielzahl von Szenen aufgefallen.
Diese Farben sind nur ein Highlight der Kameraarbeit von Robby Müller, dem Langzeit-Mitarbeiter von Wim Wenders. Er fängt die mythischen Qualitäten der weiten Steppen von Texas perfekt ein. Wim Wenders, als erfahrener Inszenator von Road-Movies, erforscht das Land, das durch seine schiere Größe dieses Subgenre erst erschaffen hat.
Die Erforschung des mythischen Amerikas, des amerikanischen Traums, der Flucht in die endlosen Weiten, durch die Augen eines Nicht-Amerikaners.
Wenders ist nicht zynisch oder negativ dem Giganten gegenüber eingestellt. Mit Zuneigung nähert er sich dem amerikanischen Lebensgefühl und seinen Charakteren.
Paris, Texas" wird nicht nur als einer der besten und renommiertesten Filme von Wenders in Erinnerung bleiben, sondern auch als rare Gelegenheit Harry Dean Stanton in einer Hauptrolle bewundern zu können.
Mehr noch als Stanton, verdient meines Erachtens, der Rest seiner kleinen Familie Beachtung. Natassja Kinski ist absolut umwerfend, sie wirkt gleichzeitig verletzlich und selbstbewusst und ihre Konversation mit Stanton, verborgen hinter einem Spiegel, ist einer der großartigsten Szenen des Films. Auch Hunter Carson als Sohn der beiden überzeugt mit seinem Esprit, seiner Lebensfreude und Unschuldigkeit.
Unschuldig bleibt in diesem Film nur er. Tiefe Narben aus der Vergangenheit brechen auf und veranlassen den gebrochenen Vater, seinen Sohn aus der Obhut von Tante und Onkel zu entführen und ihn zu seiner leiblichen Mutter zu bringen. In minderen Werken, würden die Gefühle des Sohns thematisiert werden. Hier aber, versteht er, dass er Teil eines größeren Ganzen ist, und fühlt sich mit seinem entfremdeten Vater verbunden, ebenso mit seiner Mutter, die er kaum kennt.
Ry Cooders Gitarrensoundtrack begleitet den Film wie aus einem Autoradio. Ein perfect fit", selten hat man stimmungsvollere Begleitung zu einem Road Movie gehört.
Der Gelegenheitskinogänger sei jedoch gewarnt. Dies ist ein Kunstobjekt. Paris, Texas" ist langsam, oder besser, der Film nimmt sich Zeit um die Weiten der USA und der seelischen Klüfte der Charaktere zu überbrücken. Die Minuten verrinnen nur langsam, aber wer sich darauf einlässt wird mit einem tollen cineastischen Erlebnis belohnt.
This review of Paris, Texas (1984) was written by Rainer K on 25 Mar 2013.
Paris, Texas has generally received very positive reviews.
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