Review of Blade Runner (1982) by Rainer K — 05 Jun 2013
Es war wieder Zeit. Blade Runner" hatte sich eine weitere Chance verdient. Obwohl Ridley Scotts Sci-Fi Noir wohl zu Recht als einer der Großen seines Genres gehandelt wird, bin ich auch jetzt, nach diesem Rewatch nicht mit dem Film warm geworden.
Ok, ich muss zugegeben, der Film sieht fantastisch aus, die anfänglichen Großaufnahme, die Effektshots, die sich perfekt ins Gesamtgefüge einblenden, und das Setdesign... Setdesign, da war doch was...
Dazu ein kleiner Exkurs: Ich verehre Terry Gilliam. Seine visionären Filme zeichnen sich nicht nur durch Humor und irre Ideen aus, sondern auch durch ihren bewusst dreckigen retro-futuristischen Look. Ich mag das - eigentlich - wie sonst hätte ich Filme wie Time Bandits", Brazil" oder 12 Monkeys" durchgestanden.
Blade Runner" ist stilistisch, zumindest in punkto, Setdesign, recht nahe an diesem Gilliam-Look dran, und dennoch kann ich mich damit nicht anfreunden. Gerade in den Straßenschluchten der Stadt, wo es dann so richtig verkommen und cyberpunkig wird, tauchen dann diese seltsamen Kostüme und Kopfbedeckungen auf, die einem so extrem das Produktionsdatum des Films vor Augen führen. So zeitlos der restliche Film auch sein mag, hier stört der Retroschick meines Erachtens etwas die Gesamtproduktion.
Passend dazu, möchte ich an dieser Stelle einen weiteren Kritikpunkt anbringen. Wobei, Kritikpunkt ist es eigentlich gar keiner, eher eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Ich hasse J.F. Sebastian. Er ist ein nerviger, naiver und trottelhafter Charakter, der leider zu wichtig ist, um ihn einfach aus dem Film zu schneiden. Der Look seiner Werkstatt deckt sich mit meinen vorangegangenen Kritikpunkten am Setdesign, und er als Charakter ist mir einfach zutiefst zuwider.
Problematisch wird das erst, wie gesagt, wenn man bedenkt, dass er in der eigentlich entscheidenden Szene des Films ist, als Roy auftritt und ihn nach Tyrell befragt. Man kann hier nicht einfach vorspulen, oder die Szene ignorieren - sie ist essentiell - aber Sebastian nervt unentwegt. In diesen Momenten, hoffe ich einfach, dass die Sache möglichst schnell vorbeigeht - in diesen Momenten ist dann aber auch der gesamte Erzählfluss des Films für mich dahin.
Nichtsdestotrotz, ist Blade Runner" genial in seinem Bild von LA des Jahres 2019. Der Detailreichtum des Films wurde nur selten von der Konkurrenz erreicht.
Harrison Ford spielt eine ernstere Version des Han Solo und gibt einen erstaunlichen guten Noirhelden ab. Rutger Hauer scheint für die Rolle des Roy Batty gemacht zu sein (und sieht dem jungen Max von Sydow erschreckend ähnlich).
Bleibt eigentlich nur die Gefahr, dass man von den visuellen Elementen und der knackigen Detektivstory von den eigentlichen, philosophischen, Überlegungen die im Subtext schlummern, abgelenkt wird.
This review of Blade Runner (1982) was written by Rainer K on 05 Jun 2013.
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