Review of The New World (2005) by Rainer K — 18 Mar 2013
Zwar fehlt mir noch Days of Heaven" um die kurze Filmografie Terrence Malicks abzuhaken, aber ich erlaube mir schon jetzt grundsätzliche Überlegungen zu seinem Gesamtoeuvre anzustellen.
Malick nutzt seine Filme um seine eigenen philosophischen Gedanken zu ordnen, weiterzuerforschen und zu präsentieren. Manche seiner Filme sind mehr transzendental und metaphysisch (The Tree of Life") und manche weniger (Badlands", The New World") aber sie alle erforschen unseren Platz in der Welt, unsere Existenz und die nicht erklärbaren Dinge, die unser Leben lebenswert machen.
Seinen Schwerpunkt setzt Malick jedoch jedes Mal woanders. In Badlands", ist ganz klar die Liebe, bedingungslos und naiv, im Vordergrund. In The Thin Red Line" geht es um persönliche Courage und Aufopferung. The Tree of Life" ist das bisher größtangelegteste Werk Malicks und beschäftigt sich mit nichts Geringerem als der menschlichen Existenz. The New World" vereint die Themen Schicksal und Ursprung in sich.
Immer wieder arbeitet Malick dabei mit Gegenkontrasten. Stets erzählt er eine kleine Geschichte, die metaphorisch für den großen Sinnzusammenhang steht.
In The New World" erforscht er die Wurzeln seiner Nation, und seiner eigenen Herkunft durch die missglückte Liebesgeschichte dreier Menschen.
Malicks Filme sind generell frei von Pathos. Was pathetisch wirkt ist meist nur poetisch-reflexiv. Liebesgeschichten ohne Pathos wirken natürlich für den geübten Kinogänger irritierend und das ist denke ich der Hauptgrund weshalb The New World", und Malick allgemein, so oft missverstanden werden.
Der Film ist auf jeden Fall schön anzusehen. Obwohl Malick weitestgehend auf meditative Passagen mit Landschaftsaufnahmen verzichtet, ist die Kameraführung von Emmanuel Lubezki einzigartig. Fast noch mehr als die Kameraarbeit, beeindruckt der Grad an Realismus der Sets und Kostüme, v.a. der Aufmachung der Indianer.
Malick gewöhnt den Zuseher so sehr an diese Ästhetik, dass wir das England des 17. Jahrhunderts später ebenfalls durch die Augen der Indianer sehen können - ein Geniestreich.
The New World" ist ein transzendentales Historienepos, was auch immer man sich unter diesem Begriff vorstellen mag. Wobei vor allem die erste Dreiviertelstunde das persönliche Leiden, den Hunger und die Entbehrungen der Siedler auf ganz unglamouröse Art und Weise darstellt und sich Malick Romantik in seiner Liebesgeschichte, zumindest sobald Rolfe (Christian Bale) auftaucht, so ganz verbietet.
Und dennoch bleibt man verzaubert von Voice-over Poetik und visuellem Entzücken. Verliert die Narrative an Schwung, klammert man sich ganz einfach an die Bilder, und überbrückt so die nächsten zehn, zwanzig Minuten des Dahinplätscherns. So sind Malicks Filme eigentlich nur über Umwege und Aufmerksamkeitslücken wahrlich zu genießen, denn oft, in denen spannenderen Passagen, hat man das Gefühl etwas an visueller Grandeur zu verpassen wenn man zu genau auf die Handlung achtet.
PS: Fun Fact: Christian Bale hat auch eine Rolle in der Disney-Zeichentrickversion von Pocahontas.
This review of The New World (2005) was written by Rainer K on 18 Mar 2013.
The New World has generally received positive reviews.
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