Review of Happy-Go-Lucky (2008) by Jim L — 31 Jul 2013
Igitt, igitt, fröhliche Menschen!
Pauline Poppy" Cross (Sally Hawkins) ist ein vergnügter Mensch, und das ist noch untertrieben ausgedrückt. Es scheint, dass sie nie wütend ist, oder böse, oder irgendwie schlecht drauf. Als Kunstfigur wirkt sie natürlich sympathisch und oft auch ein wenig nervig (zumindest für einen kleinen mürrischen Misanthropen wie mich). Ihr Leben voll Freude und Heiterkeit muss aber eigentlich der Horror sein - immer Lächeln und Lachen und alles positiv sehen - das kann nicht gesund sein (vielleicht kann ich mir solch eine Attitüde auch ganz einfach nicht vorstellen, aber Leigh zeigt uns nie eine bedrückte Poppy aber irgendwohin müssen doch auch ihre negativen Emotionen hingehen). So weit, dass wir über dieses Detail in Poppys Leben nachdenken, bringt uns Happy-Go-Lucky allerdings nie.
Das ist auch gar nicht nötig. Der Film hat ohnehin genug zu bieten. Zuerst einmal haben wir es mit einer mächtigen Charakterstudie eines recht einfachen (?, vielleicht besser eintönig/einseitig) Menschen zu tun, andererseits mit deren Überlegungen und Beziehungen mit anderen, weitaus farbenfroheren Gestalten. Allen voran, ihr Fahrlehrer Scott (Eddie Marsan), der so ziemlich die Antithese zu Poppys Auftreten darstellt. Er ist mürrisch, rassistisch, misanthropisch und cholerisch und wohl noch eine Reihe anderer negativer Fremdwörter.
SPOILER: Wie es in Filmen so kommt, entwickelt sich bei den beiden eine gewisse Spannung und auch Zuneigung, aber der angedeutete Hollywoodschluss erfüllt sich nie. Ganz das Gegenteil passiert und der Film endet damit, dass Poppy sich schließlich doch einen neuen Fahrlehrer sucht.
Witzig sind die ästhetischen Entscheidungen Mike Leighs - so filmt er die Vorkommnisse im Fahrschulauto mit einer Art Fahrschulkamera, und das Ganze wirkt dann wie die eigenen Erfahrungen aus der Fahrschule, als einem der Lehrer das Video vorspielt. Sonst ist nicht allzu viel Auffälliges dabei - das Drehbuchschreiben ist Leighs wahre Stärke.
Nicht nur mit seinen farbenfrohen Charakteren, die nur so sprühen vor Esprit, punktet Leigh, sondern auch mit seinen lebensnahen Dialogen. So gehört Poppys Unterhaltung mit dem Problemkind Nick, zu den tollsten und authentischsten Momenten, die mir in letzter Zeit untergekommen sind.
Auf jeden Fall ein empfehlenswerter Film, macht eigentlich Lust auf mehr Leigh, auch wenn der Rest seines Oeuvres eher ernsthafter Natur sein soll.
This review of Happy-Go-Lucky (2008) was written by Jim L on 31 Jul 2013.
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