Review of Fitzcarraldo (1982) by Martin S — 12 Dec 2015
Our Daily Free Stream: Werner Herzog - Fitzcarraldo (german only). Werner Herzog hat schon wieder einen neuen Film fertig gestellt: Salt and Fire mit Michael Shannon, Gael García Bernal und ihm selbst! Grund genug, sich an seinen besten Film zu erinnern.
Werner Herzogs Fitzcarraldo ist eine der ganz grossen Visionen in der Geschichte des Kinos - und auch eine der ganz grossen Verrücktheiten. Beides ergänzt sich prächtig und das Eine wäre wohl ohne das Andere gar nicht möglich.
Fitzcarraldo ist die Geschichte eines Wahnsinnigen, der im Dschungel eine Oper bauen will und deshalb ein Schiff über einen Berg zieht. Für den Film musste Werner Herzog genau dasselbe tun und tritt damit die Nachfolge an von Brian Sweeney Fitzgerald, dessen Geschichte Herzog inspirierte.
Fitzcarraldo ist ein wagemutiges Epos (schliesslich hätte Herzog das auch alles mit Special Effects arrangieren können). Aber - "This is not a plastic boat" (Herzog). Fitzcarraldo (Klaus Kinski) treibt eine Gruppe von Regenwald Indianern an, das Schiff über den Hügel zu ziehen und wir fühlen uns mittendrin! Wer noch mehr darüber erfahren möchte, der schaut "Burden of Dreams" (1982) von Les Blank und Maureen Gosling an, eine Doku über die Herstellung von Fitzcarraldo.
Nach dem Betrachten der Doku fühlt man, dass dieser Dreh an keinem der Beteiligten spurlos vorüber ging. Alle verbindet die Ehrfurcht vor dem Dschungel, den Gott (sofern es ihn gibt) wohl im Zorn erschaffen haben muss.
.. (Herzog). Wir erleben Fitzcarraldo und seine Geliebte (Claudia Cardinale) wie sie sich aus der Leere des Urwalds in einem Boot nähern. Beide kommen zu spät, sie wollen doch in die Oper! Er hat Geld verdient mit einer Eismaschine und kennt seine Zukunft: Er wird in Reichtum schwelgen, eine Oper im Urwald errichten und dort soll Caruso auftreten.
Fitzcarraldo kauft ein Stück Land, welches nicht angebunden ist an den Fluss. Erreichen kann es nur der, der ein Schiff übersetzen kann, ohne Wasser! Es ist dieses Bild, des Schiffes, das über den Berg gezogen wird, dass Herzog für Fitzcarraldo inspirierte.
Der Rest des Drehbuchs musste nur noch angepasst werden. Die Produktionsgeschichte liest sich wie eine Kette von Unfällen. Der erste Drehort lag an der Grenze Perus zu Ecuador und konnte 1982 deshalb nicht genutzt werden.
Zunächst sollten Jason Robards und Mick Jagger besetzt werden, beide aber sprangen ab (zum Glück, denn wer könnte sich Jagger in Fitzcarraldo vorstellen?). Klaus Kinski ist aus demelben Grund die bessere Wahl, die auch für ein echtes Schiff gilt: Kinski ist tatsächlich verrückt und muss nicht spielen.
Seine Wut wirkt fast dämonisch - wie könnte jemand das nachmachen? Anders als geplant, musste Herzog mit seinem Team im Regenwald filmen - etliche Kilometer von der nächsten Stadt entfernt. Ein Mitglied der Crew überlebte einen Schlangenbiss nur, indem er sich den Fuss selbst amputierte.
Währenddessen grölt Kinski Herzog an so wie die meiste Zeit (wir sehen das in Herzogs Doku My best fiend. Zum Glück ist Fitzcarraldo kein perfekter Film geworden, dafür ein überwältigender! Herzog versucht gar nicht, seine Geschichte voranzutreiben; er sucht nach Bildern! Die Szene, da das Schiff sich losreisst, wäre bei einem anderen Regisseur zur krachigen Action-Sequenz verkommen.
Bei Herzog rutscht es langsam, gewaltig und umso fuchteinflössender. Gibt es überhaupt einen leidenschaftlicheren und abenteuerlustigen Regisseur als ihn? In jedem grossen Herzog Film fordert ein passionierter Mann die Wildnis heraus.
Immer wieder und wieder! Produzenten fragten Herzog, ob es nicht klüger sei, das schwierige Projekt fallen zu lassen. Herzog echauffierte sich über die Frage: Ein Mann, der ein Projekt wie dieses fallen liesse, er müsste weiterleben als Mann ohne Träume.
Lieber würde er sterben, als so zu existieren! Nicht nur das Schiff und Kinski sind echt, sondern Herzog ist eben auch ein wahrer Fitzcarraldo! Immer und immer wieder!
This review of Fitzcarraldo (1982) was written by Martin S on 12 Dec 2015.
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