Review of Dog Day Afternoon (1975) by Rainer K — 18 Jul 2013
Bis jetzt hab ich noch keinen Film von Sidney Lumet gesehen, der mich wirklich vom Hocker geblasen hat. Oft blieben seine Filme sogar hinter meinen Erwartungen zurück (wie z.B. bei Network oder Before the Devil Knows You're Dead).
Man kann zusammenfassen - ich liebe Lumet nicht, aber ich schätze ihn doch als Regisseur und will immer noch mehr von ihm sehen.
Dog Day Afternoon war in zweierlei Hinsicht auf meinem Radar. Einerseits als critic's darling, IMdB Top 250 und Oscar Nominierter und andererseits als Hauptrolle von Al Pacino.
Pacino war wohl sogar der Hauptgrund, dass ich den Film gesehen hab, und gerade als Pacino-Fan kommt man auf seine Kosten. Mitte der 70er Jahre war Pacino noch nicht so oft typegecastet, und hatte eindeutig noch ein weiteres Repertoire als den missmutigen, alkoholischen Schreihals. In Dog Day Afternoon ist er zurückhaltend, fast schon introvertiert und gleichzeitig ein brodelnder Vulkan. Diese Zurückhaltung lässt ihn um einiges gefährlicher erscheinen als den tobenden cholerischen Schreihals den er heutzutage für gewöhnlich mimt.
Die Rolle des Sonny Wortzik ähnelt in gewisser Weise Serpico oder auch dem Michael Corleone des ersten Godfather-Teils. Alles in allem, würde ich Dog Day Afternoon als seine zweitbeste Performance nach meinem Favoriten Scent of a Woman reihen.
Lumet setzt ihn gekonnt in Szene. Hier beweist sich die Qualität dieses Regisseurs: er ist präzise, ein genialer Stimmungsbildner und ein Kenner der Proxemik. Großartig setzt er den begrenzten Raum der Bank in Szene und lässt die Kamera um Pacinos Sonny herumtanzen. Geschmeidig offenbart sich das Geschehen vor der Kamera und doch hat man das Gefühl mittendrin zu sein - Teil der Geiseln oder des Inventars zu sehen, und immer wenn Sonny vor die Bank tritt wird man zum Teil der gaffenden Menge.
Ich kann nicht genau erklären wie Lumet das macht. Es wirkt teilweise sehr naturalistisch, ist es bei näherer Betrachtung aber nicht. Ich denke, es ist eher der klassische, unsichtbare Hollywoodstil, verfeinert, und auf die Spitze getrieben. Lumet ist ein Mann der Diegese, des Geschichtenerzählens mittels unsichtbaren Schnitts und nach strengen Regeln. Er muss wohl der Meister dieses Filmstils sind, nur so ist es zu erklären, dass er über fünfzig Jahre hinweg zu den renommiertesten Hollywoodregisseuren zählte, und dass er die Revolution des New Hollywood überlebte.
This review of Dog Day Afternoon (1975) was written by Rainer K on 18 Jul 2013.
Dog Day Afternoon has generally received very positive reviews.
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