Review of Citizen Kane (1941) by Rainer K — 01 Jul 2013
Wie formuliere ich das kurz und schmerzlos ohne die Filmwelt in Entsetzen aufschreien zu lassen... Citizen Kane ist ein guter Film, ohne Zweifel ist er einer der wichtigsten Filme aller Zeiten, nicht nur technisch, auch narrativ ist der Film revolutionär, selbst nach siebzig Jahren sieht er noch toll aus, und die Kameratechniken und das Make-up sind ihrer Zeit Jahrzehnte voraus, aber die Geschichte ist etwas lau, und obwohl der Film all das hat, was ich soeben beschrieben hab, lässt er mich vollkommen kalt.
Das wichtigste an einem Film ist für mich, wie sehr er es schafft mich zu fesseln, mich emotional zu berühren oder zum Nachdenken zu bringen. Technische Dinge sind dann nebensächlich, werden natürlich berücksichtigt, aber im großen und ganzen, wird ein Film nie eine Bewertung über 4/5 bekommen wenn er mich nicht auf die eine oder andere Art vom Hocker bläst.
Aber gehen wir Schritt für Schritt durch, was mir an Citizen Kane, dann doch nicht sooo gut gefallen hat.
1. Kane hat sich sein Grab selbst geschaufelt, er hat Zeit seines Lebens alle seine Freunde mies behandelt, ist aufgestiegen und gefallen. Er ist rücksichtslos und getrieben von mir unverständlichen Gefühlen (Ehrgeiz, Sehnsucht, Liebe, was weiß ich). Welles präsentiert uns diesen Mann als etwas, der am Ende kläglich an seine Jugendzeit zurückdenkt in der alles besser war, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass er vielleicht selbst am Verlauf seines Lebens Schuld war.
2. Kane ist rücksichtslos und risikofreudig. Jedoch hat er nie für sein Vermögen arbeiten müssen und weiß deshalb nicht wie viele Existenzen er mit seinem Verhalten in den Ruin treibt - Menschen wie er lösen Wirtschaftskrisen aus, von denen sie selbst nicht betroffen sind. Für so einen Charakter kann ich einfach keine Empathie empfinden, egal wie sehr es mir inszenatorisch schmackhaft gemacht wird.
3. Der erste Teil, in dem uns Kanes Leben im News-Reel Stil gezeigt wird ist kurz und knackig. Dann folgen die Interviews, die manches davon richtig stellen und manches anders Erzählen. Teilweise erschien mir hier das Pacing etwas willkürlich - manche Episode aus seinem Leben wurde ewig ausgeschlachtet, und vieles, was ich sehr interessant fand, wurde einfach übergangen. Kanes Leben wurde gleichzeitig zu schnell und zu langsam erzählt, und das ist mein einziger echter Kritikpunkt an Citizen Kane, von dem ich nicht verstehe, dass andere Leute nicht auch davon irritiert werden. Die Narrative wirkt so gehetzt und lässt sich im selben Moment unendlich viel Zeit für Details. Einen ganzen Film mit solchem Detailreichtum zu drehen wäre natürlich ebenfalls unsinnig, aber ich denke, dass Citizen Kane einer der wenigen Filme ist, der eigentlich mindestens eine Stunde mehr Laufzeit bräuchte.
Worüber sollte ich sonst noch schreiben? Über die hervorragende Kameraarbeit, von der ohnehin jeder weiß? Gute Kamera gibt es nicht ohne Licht, und wer jemals die expressionistischen Schatten in Kane beobachtet hat weiß das.
Spiegel, im Film immer schwer zu handhaben, werden genial verwendet.
Die Narrative ist einfach genial - viele Flashbacks, ein Journalist auf Spurensuche, der Beginn im Mockumentary-Stil.
Orson Welles selbst als Schauspieler spielt den Kane perfekt und auch der restliche Cast ist überzeugend.
Aber das wissen wir alles bereits. Citizen Kane ist wohl einer der meist-analysierten Filme die es gibt. Deshalb belasse ich es dabei: Die künstlerische Vision hinter Citizen Kane ist einfach atemberaubend - einer der Pflichtfilme der Filmgeschichte.
This review of Citizen Kane (1941) was written by Rainer K on 01 Jul 2013.
Citizen Kane has generally received very positive reviews.
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